HINTERGRÜNDIGES








E I N L E I T U N G

Die nachfolgenden Zeilen stellen einen Auszug aus meinen Intensionen die Kampfkunst betreffend dar.
Sie sollten genau so lebendig und wandlungsfähig wie die Kampfkunst selbst behandelt werden.
Wie der Geist des Kung Fu selbst, soll die Möglichkeit bestehen, sich von Überholtem zu trennen, und Neues soll Platz finden.

Dinge sollen jedoch nicht als überholt und veraltet gelten, nur weil man sich nicht die Mühe gemacht hat sie zu erfahren.
Sich von einer Sache zu trennen soll den eigenen Überzeugungen zu Folge geschehen, und auch nur nachdem man alle Aspekte abgewogen hat.

Die wahre Kunst besteht darin, den Körper zu kennen und zu verstehen (Anatomie und Physiologie), dem Wissen um die Verbesserung seiner Resourcen (Trainingslehre) und in der Ökonomisierung und Steigerung der Effizienz seiner Aktionen (Technik)!
Ein Außer-Acht-Lassen auch nur eines dieser Punkte reduziert die Jahrtausende Alte Kunst des Kung Fu auf die ledigliche sportliche Ausführung einer oder mehrer Bewegung.

Die nachfolgenden Zeilen repräsentieren den Iststand meiner Gedanken und Erfahrungen Kung Fu betreffend im Jahr 2002.


Wolfgang PINZ
4. Toan Kung Fu
1. Dan Kickboxen
Staatl. gepr. Trainer                 



K U N G  F U


Eine der möglichen Übersetzungen des Begriffes „Kung Fu“ wäre „besondere Fertigkeit", und ist somit alleine korrekter Weise nicht aussagekräftig zu verwenden.
Von der Filmindustrie wurde jedoch eine bestimmte Art zu kämpfen mit dem alleinigen Prädikat „Kung Fu“ versehen. Für den nicht Versierten wird damit der Kampfstil des Bruce Lee, oder die Bewegungsmuster des Hong Kong Kinos der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts verbunden.

Da sich die chinesischen Kampfkünste, alle zusammengefasst, unter dem Oberbegriff Kung Fu, in tausende, teilweise divergierende Stile unterteilen, ist eine genauere Bezeichnung erforderlich. Selbst die Aussage „Shaolin Kung Fu“ ist noch zu weit gesteckt, um den genauen Stil zu bezeichnen.
Auf Grund der immer kurzlebiger werdenden Zeit, der zunehmenden Technisierung und Globalisierung, die jede noch so unbedeutende Veränderung eines Stiles einer großen Anzahl von Begeisterten zugängig macht, wird es immer schwieriger die anfängliche „Reinheit“ und unveränderte Weitergabe eines Stiles zu gewährleisten.
Es ist auch fraglich, ob es überhaupt im Sinne des Begründers eines Stiles, des Interpreten einer bestimmten Art und Weise zu kämpfen, ist, neue Erkenntnisse betreffend Technik, Bewegung oder Lehre des menschlichen Körpers, nicht Rechnung zu tragen.
Somit ist es ohne weiteres möglich, dass zwei Interpreten ein und der selben Lehre, unterschiedliche Bewegungsmuster unter Verwendung des selben Namens in gutem Glauben unterrichten.

Die Bezeichnung „Chang Tung Sheng Kung Fu“, also „die besondere Fertigkeit des Shang Tung Sheng“ erscheint aus diesem Blickwinkel vielleicht nicht mehr zeitgemäß.

Der Name „Shuai Chiao“ erscheint mir als der Treffendste, nicht weil unsere Techniken unverändert die Jahrtausende überstanden haben, nicht weil jeder Schüler des Chang Tung Sheng weltweit die selben Bewegungsmuster vollführt, sondern weil das Gedankengut des Shuai Chiao unverändert das Selbe ist.
Die selben Motive, das gleiche Gedankengut ergibt, jedoch äußerlich der Zeit Rechnung tragend, im Inneren einen seit tausenden von jahren unverändert und somit unverkennbaren Stil, Shuai Chiao.



S H U A I  C H I A O


Shuai Chiao ist eine der ältesten aufgezeichneten Kampfkünste, zurückverfolgbar bis 2.700 v. Chr.
Eine Unzahl von Jahren bevor ander Kung Fu Stile entstanden sind wurde Shuai Chiao bereits praktiziert und seine Bewegungen und Techniken verfeinert.
Die lange Geschichte des „Chinesischen Ringens“ und seine permanente Nutzung als Kriegskunst über viele Epochen der chinesischen Vergangenheit hinweg, hat seine Effizienz im Kampf bewiesen.
Das Wissen, das über Jahrhunderte erworben und verfeinert wurde, wurde in ununterbrochener reihenfolge bis zum heutigen Großmeister dieses Systemes, Chang Tung Sheng, weitergegeben.

Shuai Chiao ist heute die meistgenutzte Polizei- und Militärtrainingsmethode Chinas und Taiwans. Tatsächlich werden Shuai Chiao Kurse als Teil des Lehrplanes an vielen taiwanesischen Schulen angeboten.

Suai Chiao besteht charakteristischer Weise aus den fünf wesentlichen Elementen des Kampfes

- Angriffspunkte (Einwirken auf lebenswichtige Körperregionen)
- Boxen
- Treten
- Greifen
- Werfen.

Diese vereinheitlichte und ineinandergreifende Methode zu Kämpfen ist es, die Shuai Chiao so wirkungsvoll macht.

Der Vorteil beim Gebrauch von Shuai Chiao zur Selbstverteidigung liegt darin, dass es den Ausführenden mit zusammenhängenden Bewegungen und Techniken versieht, die auf jede Situation angewandt werden können, und dabei selbst große Unterschiede in Distanz oder Grösse ausgleichen.

Um die vielen Gründe zu verstehen, die Shuai Chiao so effektiv in der Selbstverteidigung machen, muss es mit der Theorie eines andern äußerst anspruchvollen chinesischen Systemes, dem Tai Chi Chuan, verglichen werden.
Laut eines Buches über die Grundlagen des Shuai Chiaos ist tai chi Chuan entwicklungsmäßig gesehen, sowohl physisch, als auch psychisch die Grundlage des Wu Shu (vereinheitlichte chinesische Nationalkampfkunst). Symbolisch ist es die Achse auf der sich das Rad Wu Shu dreht, während Shuai Chiao als die Radnabe angesehen werden kann, von der die vielen Speichen ausgehen, die die vielen verschiedenen Kung Fu Systeme darstellen.
Die Zusammenwirkung von Jing und Jang, den zwei Gegensätzen, die sich noch dazu ergänzen, liegt im Shuai Chiao die Idee zugrunde, die agressive (jang) Energie der angreifenden Kraft durch nachgeben (jing) zu übernehmen, potenzieren und dann gegen den Angreifer selbst zu richten.
Dies ist die gemeinsame Grundlage von Shuai Chiao und auch dem Tai Chi Chuan.
Wie das Tai Chi Chuan vertraut Shuai Chiao auf ein gut entwickeltes taktiles Vermögen, koordinierte Körperbewegungen und eine Vielzahl an strategischen Methoden mit dem Gegner in Berührung zu kommen.
Die Kontrollmethoden des Tai Chi Chuan sind andere als die des Chinesischen Ringens, obwohl beide Systeme auf einer Kontaknahme mit dem Gegner und dem anschließenden Brechen seines Gleichgewichtes, um ihn zu schlagen, beruhen.
Es sind die Ideen und Techniken des Shuai Chiaos, die den Intensionen des Tai Chi Chuans erst Feuer und Leben geben.

In einer Erklärung des Ursprunges von Shuai Chiao wird erzählt, dass der unsterbliche Chan San Feng einen Vogel beobachtete, der mit einer Schlange kämpfte.
Er bemerkte die konstanten und geradlinigen Angriffe des Vogels, sein Picken und Stossen mit dem Schnabel, sowie das fortgesetzte Angreifen mit seine Flügeln.
Die Schlange jedoch blieb ruhig und wachsam. Ihren Körper aufgerollt und den Kopf vom Boden erhoben. Sich windend, drehend und kreisförmig ihren Körper bewegend entgegnete sie jedem Angriff des Vogels bis dieser schließlich aufgab.

Ausweichen und entgegnen erfordert vom Shuai Chiao Stylisten das Wesen und den Mittelpunkt des Angriffes zu beurteilen, um dann zur Seite zu gleiten, so dass er sich selbst nicht länger in der Bahn der Waffe, der Hand oder des Fußes des Angreifers befindet.
Nachdem er sich, die Umgebung und den Angreifer im Griff hat, sollte er seine Alternativen abwägen: zum Beispiel kann er entkommen oder genügend Aufmerksamkeit erregen um Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Hat er eine Waffe oder einen sonstigen Gegenstand der ihm bei seiner Verteidigung dienlich sein kann?
Wenn er es mit einem gewalttätigen Angreifer zu tun hat sollte er immer auf das Schlimmste gefasst sein.
Wenn er an einen Angreifer gerät, der ihn mit seinen Fäusten bedroht sollte er ein Messer erwarten, wird er mit einem Messer angegriffen sollte er mit einer Pistole rechnen. Sollte sich ihm der Angreifer von vorne nähern, sollte er auch mit einem Angriff von hinten rechnen.
Wenn er sein Gegenüber oder die Situation selbst falsch einschätzt könnte er verletzt oder gar getötet werden . Sieht er das volle Risiko im vorhinein erhöht er seine Chancen unverletzt und somit siegreich zu entkommen.

Nachdem er intelligente Beobachtungen basierend auf Wissen und Erfahrung gemacht hat, muss er die Zuversicht besitzen, dass er überleben und gewinnen wird.
Es gibt immer Risiken, die über den ursprünglichen Streit hinaus berücksichtigt und kalkuliert werden müssen. Ein Notwehrexzess kann ihn, zumindest vor dem Gesetz, ebenso zum Verlierer machen, wie eine spätere und dadurch besser geplante Vergeltungsmaßnahme durch den Angreifer.

Ein berühmter Shuai Chiao Stilist betonte einmal:

„Unwichtig wie groß dein Können ist, du musst an deinen Geist und dein Herz glauben, und du wirst jeden Gegner besiegen.“

„Wenn sich ein Shuai Chiao Mann nähert ist er wie eine Schlange, die ihre Beute umschlingt. Er hat jeden Teil des Körpers seines Gegners unter Kontrolle, um ihm keinen raum zum Zurückschlagen zu geben. Das ist Selbstverteidigung“

Chang Tung Sheng


T A K T I K aus „SUNZI“ - Die Kunst des Krieges

Die guten Kämpfer der Vergangenheit schlossen jede Möglichkeit einer Niederlage aus und warteten dann auf eine Gelegenheit, den Feind zu schlagen.
Es liegt in unserer Hand, uns vor einer Niederlage zu schützen, doch die Gelegenheit, den Feind zu schlagen, gibt uns der Feind selbst.
Deshalb der Spruch: Man kann wissen, wie man siegt, ohne fähig zu sein, es zu tun.

Schutz vor der Niederlage verlangt eine defensive Taktik; die Fähigkeit den Feind zu schlagen, bedeutet, die Offensive zu ergreifen. In der Defensive zu beharren verrät unzureichende Kräfte; anzugreifen einen Überfluss an Kraft.

Der General, der in der Verteidigung erfahren ist, versteckt sich in den tiefsten Höhlen der Erde; wer im Angriff geschickt ist, fährt aus den höchsten Höhen des Himmels nieder. So haben wir auf der einen Seite die Fähigkeit, uns zu schützen, und auf der anderen die Möglichkeit, einen vollständigen Sieg zu erringen.

Den Sieg nur zu sehen, wenn er auvh von allen anderen gesehen wird, ist kein Beweis von hervorragender Leistung.
Und es ist kein Beweis von hervorragender Leistung, wenn du kämpfst und siegst, und das ganze Königreich sagt: „Gut gemacht.“ Wahre Vortrefflichkeit ist es, insgeheim zu planen, sich heimlich zu bewegen, dem Feind einen Strich durch die Rechnung zu machen und seine Pläne zu vereiteln, sodass zumindest der Tag ohne einen Tropfen vergossenen Blutes gewonnen wird.

Eine Spinnwebe zu heben ist kein Beweis für große Kraft;
Sonne und Mond zu sehen, ist kein Beweis für ein scharfes Auge;
Den Lärm des Donners zu hören, ist kein Beweis für ein gutes Ohr.

Die alten Weisen nannten den einen guten Kämpfer, der nicht nur siegte, sondern der sich dadurch auszeichnete, dass er mit Leichtigkeit siegte. Seine Siege werden ihm aber weder den Ruf der Weisheit noch den des Mutes einbringen. Denn soweit sie durch Umstände errungen werden, die nicht ans Licht gekommen sind, wird die Allgemeinheit nichts von ihnen wissen, und deshalb wird man ihn nicht wegen seiner Weisheit loben; und wenn sich der feindliche Staat unterwirft, ehe ein Tropfen Blut geflossen ist, wird man ihn nicht für seine Mut rühmen.

Er gewinnt seine Schlachten, indem er keine Fehler macht. Keine Fehler zu machen ist die Grundlage für die Gewissheit des Sieges, denn es bedeutet, einen Feind zu besiegen, der bereits geschlagen ist.

So bringt sich der umsichtige Kämpfer in eine Position, die eine Niederlage unmöglicht macht, und er versäumt nicht den richtigen Augenblick, den Feind zu schlagen.
So sucht im Krieg der siegreiche Stratege nur dann den Kampf, wenn der Sieg bereits errungen ist, wogegen jener, der zum Untergang verurteilt ist, zuerst kämpft, und dann den Sieg sucht. Eine siegreiche Armee, die gegen eine geschlagene antritt, ist wie ein Pfund gegen ein einziges Korn in der Waagschale. Der Ansturm der siegreichen Streitkräfte ist wie ein Hereinbrechen aufgestauten Wassers in eine tausend Faden tiefe Schlucht.

Der vollendete Anführer hütet das Gesetz der Moral und achtet streng auf Methode und Disziplin; so liegt es in seiner Macht, den Erfolg zu bestimmen.

Soviel zur Taktik.

aus dem Buch:
"Die Kunst des Krieges"; Sunzi
ISBN: 3-426-19245-4






T R A I N I N G S L E H R E


Sinn der nachfolgenden Ausführungen soll es sein, ähnlich den Ausführungen die Anatomie betreffend, ein Grundwissen und somit eine erhöhte Sensibilität dem menschlichen Körper und seinen Funktionsweisen gegenüber zu schaffen.

Es handelt sich lediglich um eine Aufzeichnung aus den Grundzügen der modernen Trainigslehre. Sie sollen ein Denkanstoß zur Kräftigung des menschlichen Körpers, zur Optimierung seiner Leistung und Erweiterung seiner Resourcen sein.

Es befinden sich hier keine Anleitungen schneller Laufen, höher zu Kicken, härter zu Schlagen oder länger kämpfen zu können.

Es soll nur die Bereitschaft geweckt werden, auch diese Gebiete des Kung Fu zu erforschen, und sich das Wissen darüber zu eigen zu machen!

(Fortsetzung folgt)

Literaturempfehlungen:

WEINEK J. - "Optimales Training", Perimed Fachbuchsverlagsges., Erlangen
ZINTL F. - "Ausdauertraining; Grundlagen, Methoden, Trainingssteuerung", BLV-Verlag
HOTTENROTT K. - "Trainingssteuerung im Ausdauersport", Ahrensburg
HARRE D. et al (Autorenkollektiv) - "Trainingslehre", Berlin Ost 1982

 


A N A T O M I E


Allgemeines

Gemäß den alten Vorschriften, dass die Kampfkünstler zuerst lernen sollten zu heilen, und dann erst zu verletzen, empfiehlt es sich, sich mit den einfachsten Grundbegriffen der Anatomie und Physiologie vertraut zu machen; nicht zuletzt, da ein gediegenes Wissen über den menschlichen Körper auch die Trainingseffizienz steigert!

Auch wird man als Trainer und Meister immer wieder mit Belangen des menschlichen Körpers konfrontiert, zur Leistung von Erster Hilfe aufgefordert oder einfach nur um Erteilung von Ratschlägen zur Steigerung des Wohlbefindens gebeten - je größer Dein Wissen, desto größer der Respekt, den du dir verdienst!

 

Herz-Kreislaufsystem

Aufgaben

1.) Transportmittel

Das Herz-Kreislaufsystem (HKS) ist ein „Transportorgan“ des menschlichen Körpers. Das Herz ist die zentrale Pumpe, die Blutgefäße sind die Transportwege und das Blut ist das Transportmittel. Alles, was im Körper verteilt werden soll, wird mittels Blut transportiert. Außer Sauerstoff und Kohlendioxid werden im Blut zahlreiche andere Stoffe transportiert: Wasser, Nährstoffe und deren Abbauprodukte, Hormone, Abwehrstoffe und nicht körpereigene Stoffe (Medikamente, Dopingmittel, Krankheitserreger usw.)

2.) Regulation

Die Erhaltung von konstanten Verhältnissen für die Körperfunktion (Wärmeregulation und Wasserhaushalt, Blutdruck, Säuregrad, Blutumverteilung)

3.) Abwehrfunktion

Die Abwehr von Krankheitserregern erfolgt über im Blut herbei-transportierte Abwehrstoffe.

4.) Blutgerinnung

Bei Verletzungen kommt es immer auch zu Schäden an den Blutgefäßen und damit zu Blutungen. Blutgerinnung verschließt verletzte Gefäße und stoppt die Blutung.


Das Herz

Anatomie des Herzens

Das Herz als zentrales Pumporgan liegt im Brustkorb hinter dem Brustbein, zwischen den beiden Lungenflügel etwas links von der Mitte im Mittelfellraum. Das Herz liegt unten am Zwerchfell auf.

Die Herzgröße entspricht ungefähr der geballten Faust und hat ein Gewicht von circa 300g. Das Herz ist vom Herzbeutel umhüllt, der mit wenigen Tropfen Flüssigkeit gefüllt ist und ein reibungsloses Gleiten des Herzmuskels (quergestreifte Muskulatur) ermöglicht.

Das Herz hat ein eigenes Blutgefäßsystem (= Herzkranzgefäße), das den Herzmuskel ernährt und erhebliche Leistungsreserven bei der Versorgung des Herzmuskels besitzt. Wenn aber diese Kranzgefäße durch Kalkablagerungen oder Blutgerinsel verlegt werden, kann es zu einem plötzlichen Sauerstoffmangel im Herzmuskel kommen und Herzmuskelzellen sterben ab (=Herzinfarkt). Das Herz entnimmt sich aus dem geförderten Blut etwa 1/20 des Blutes und versorgt damit über die Herzkranzgefäße die eigene Muskulatur.

Das Herz ist ein Muskel, der vier Hohlräume umschließt.
Man unterscheidet ein linkes und ein rechtes Herz. Jeder der beiden Herzteile besteht aus einem Vorhof und einer Kammer. Linkes und rechtes Herz sind aber vollständig durch eine Scheidewand (Septum) getrennt.

Von der rechten Kammer geht die Lungenarterie und von der linken Kammer die Hauptschlagader (Aorta) vom Herzen weg. In den rechten Vorhof mündet die obere und die untere Hohlvene und in den linken Vorhof die Lungenvene. (Das rechte Herz – eine Art Niederdruckpumpe – saugt das venöse, CO2 reiche Blut aus dem Körper an und pumpt es in die Lunge. Das linke wiederum, bekommt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge und pumpt es mit hohen Druck über die Körperschlagader in die Peripherie.

Herzklappen, Segel- und Taschenklappen (Ventrikel) sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann. Die Herzklappen arbeiten nach dem Prinzip eines Ventiles. Je eine Herzklappe liegt zwischen den Vorhöfen und den Kammern. Die anderen beiden Herzklappen liegen am Beginn der von den Kammern abgehenden Arterien.

Physiologie des Herzens

Der linke Herzteil muss die Pumparbeit für den viel größeren Körperkreislauf leisten, während der rechte Herzteil nur den kleinen Lungenkreislauf überwinden muss. Desshalb ist der linke Herzmuskel doppelt so muskelstark wie der Rechte.

Ein Herzschlag besteht aus zwei Phasen und dauert nicht ganz eine Sekunde. Um die Transportfunktion des Blutes und damit das Leben Tag und Nacht aufrecht zu erhalten, muss das Herz ungefähr 100.000 mal am Tag schlagen (70/min x 60 = 4200/h x 24h = 100.800/Tag)

Die Vorhöfe sammeln das Blut, das zum Herzen zurückströmt. Die erschlaffte Muskulatur der Herzkammern nehmen das in den Vorhöfen gesammelte Blut auf. Die Phase der Erschlaffung des Herzmuskels und die gleichzeitige Auffüllung der Kammern mit Blut nennt man Auffüllphase (=Diastole).

Die Kammern leisten die eigentliche Pumparbeit, um das Blut in den Körper zu transportieren. Durch Zusammenziehen (=Kontraktion) des Herzmuskels wird das in den Kammern befindliche Blut in die Blutgefäße hineingepresst. Die auf eine Auffüllphase folgende Kontraktion des Herzmuskels mit Auswurf des Blutes nennt man Auswurfphase (=Systole).

Der Blutauswurf aus dem Herzen erfolgt stoßweise und schwankt zwischen zwei Extremen: Während der Systole herrscht in den großen Arterien ein maximaler Blutdruck, den wir an den Schlagadern als systolischer Blutdruck messen können. Die Spitze dieser systolischen Druckwelle können wir an den Schlagadern als Puls tasten.

Während der Diastole wird kein Blut aus dem Herzen ausgeworfen. Durch die Elastizität der großen Schlagadern wird jedoch der Blutfluss in den Gefäßen während der Diastole bis zur nächsten Systole aufrechterhalten. Der Blutdruck ist jedoch während der Diastole niedriger als in der Systole (=diastolischer Blutdruck).

Der Blutdruck wird als RR (nach dem Arzt Riva Rocci) mit zwei Werten angegeben (z.B.: RR 120/80mm Hg ? Hg steht für den Druck = Quecksilber, 1/6 bar). Der erste Wert entspricht dem höhern systolischen und der zweite Wert dem niedrigeren diastolischen Blutdruck. Diese hohen Druckwerte gibt es nur in den Arterien des Körperkreislaufes, in den Venen des Körperkreislaufes strömt das Blut gleichmäßig mit einem Druck von ca. 5mm Hg zum Herzen zurück. Das Blut im Körperkreislauf kommt durch Saugwirkung (=Unterdruck im Herzen) zum Herzen zurück.

Der Blutdruck ist eine individuelle Größe und abhängig vom Lebensalter. Um die volle Leistungsfähigkeit zu garantieren, muss sich der Blutdruck in einem gewissen Rahmen halten. Der Blutdruck wird normalerweise in Ruhe gemessen, bei Belastung steigt er an.

Die Steuerung des Herzmuskels ist unserem Willen nicht unterworfen (=unwillkürlich). Im Gehirn giebt es ein Herz-Kreislaufzentrum das auf Reize (z.B.: körperliche Belastung, psychische Erregung, Temperatur, usw) reagiert und die Pumparbeit des Herzens und den Blutfluss in den Gefäßen dem Bedarf anpasst.

Der Herzmuskel gibt sich selbst Impulse für die Kontraktion mit einem eigenem Reizbildungszentrum (Atrioventrikularknoten = AV-Knoten sowie Sinusknoten) welche im Muskel liegt (autonome Herzerregung). Das Herz-Kreislaufzentrum gleicht lediglich diese Herzfrequenzen dem aktuellen Bedarf an. Beim Ausfall dieser beiden Zentren kann der Herzmuskel die Herzaktionen trotzdem aufrechterhalten (= dreifache Absicherung gegen Herzstillstand).
Aus diesem Grund wird ein Herz, das man aus dem Körper herausnimmt und in eine Nährlösung taucht, auch weiter schlagen. Es ist nicht vom ZNS abhängig.

Bei einem Herzstillstand würde der Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel reagieren die Nervenzellen. Es kommt innerhalb von Minuten zum Tod durch Gehirnversagen. Lebensnotwendige Zentren im Gehirn haben ihre Funktion wegen Sauerstoffmangel unwideruflich eingestellt.


Für die Herzphysiologie wichtige Begriffe

1.) Herzfrequenz (Hf)

Die Herzfrequenz sind die Herzschläge pro Minute (in Ruhe:
Hf= 60 – 90). Die Herzfrequenz steigt bei Belastung an. Die Herzfrequenz kann als Pulsfrequenz an den typischen Pulsabtaststellen leicht gemessen werden. Sie kann zur Regelung der Trainingsintensität beim Ausdauertraining genommen werden.

2.) Schlagvolumen (SV)

Das Schlagvolumen ist die Blutmenge, die während einer Systole aus dem Herzen ausgeworfen wird. Das SV in Ruhe beträgt ungefähr 75mml und nimmt bei Belastung zu (bei Ausdauersportlern bis zu 200mml).

3.) Herzminutenvolumen (HMV)

Das HMV ist diejenige Menge an Blut, die vom Herzen in einer Minute in den Körper gepumpt wird. Das HMV errechnet sich aus SV x Hf (z.B.: 70 Schläge x 75mml = ungefähr 5 Liter/min.) in Ruhe.
Das HMV ist die entscheidende Größe für die Menge Sauerstoff, die pro Minute vom Körper aufgenommen werden kann und daher bei Belastung erhöht.

4.) Der Blutdruck (RR)

Der Blutdruck ist keine leistungsdiagnostisch wichtige Größe, obwohl er bei Belastung ansteigt. Wichtig ist nur, eine krankhafte Erhöhung in Ruhe oder Belastung auszuschließen.

Anpassungserscheinungen des Herzens an erhöhten Sauerstoffbedarfes

Kurzfristige Anpassung

Bei Belastung (=gesteigerter Sauerstoffbedarf) reagiert das Herz mit Erhöhung des HMV. Es wird mehr Sauerstoff dem Körper angeboten.
Die Erhöhung des HMV beim Untrainierten erreicht bei maximaler Belastung die Grenze bei etwa dem 4-5 fachen des Ruhewertes (HMV max. = 20 – 25 l/min).
Die HMV Steigerung geschieht hauptsächlich durch eine Steigerung der Hf bis auf das 2 bis 2,5 fache (Hf max. ca. 180 – 220 /min). Das SV wird auf etwa das 1,5 bis 2 fache erhöht (SV max. ca. 150mml). Der Blutdruck steigt bis etwa RR 200/90 Hg an.
Das HKS ist zusammen mit der Energieproduktion in der Zelle der leistungslimitierende Faktor der sportlichen Grundeigenschaft Ausdauer. Ausdauertraining ist immer auch ein HKS Training.

Langfristige Anpassung

Beim systematischen Ausdauertraining kommt es zu einer langfristigen Anpassung des Herzmuskels an einen erhöhten Sauerstoffbedarf der Muskulatur.
Bei der langfristigen Anpassung des Herzens unterscheidet man eine Anpassung der Form (= morphologische Anpassung) und eine davon abhängige Anpassung in der Funktion (= funktionelle Anpassung)

1.) Morphologische Anpassung

Die Größen- und Dickenzunahme des Herzmuskels geschieht durch Hypertrophie. Das Herzvolumen kann bis auf das Doppelte zunehmen, da es zu einer harmonische Erweiterung aller vier Herzhöhlen kommt spricht man auch von einer Herzerweiterung (= Dilatation)

2.) Funktionelle Anpassung

Die funktionelle Anpassung ist eine direkte Folge der Hhypertrophie in Kombination mit der Dilatation. Der kräftigere Herzmuskel bewirkt eine enorme Leistungssteigerung des Herzens. Bei maximaler Belastung steigt das HMV des hochtrainierten Leistungssportlers bis auf das Doppelte gegenüber des max. HMV des Untrainierten an (HMV max. bis 40l/min).
Diese HMV-Steigerung wird hauptsächlich durch ein stark vergrößertes Schlagvolumen erreicht (SV bis ungefähr 200mml = 2 fache des Untrainierten). Die Hf max. bleibt gleich. Durch den kräftigeren Herzmuskel wird die Herzarbeit ökonomischer. In Ruhe sinkt die Hf bis auf 40/min, der RR sinkt leicht ab und das SV ist etwas erhöht. Der Sauerstoffverbrauch des Herzmuskels ist durch die Umstellung von der frequenzbetonten auf die volumsbetonte HMV Regulation erniedrigt.


Durchschnittswerte des Herz-Kreislauf-Systems

In Ruhe

 
Untrainierte
Ausdauersportler
Herzfrequenz
70
40
Schlagvolumen
75 ml
100 ml
HMV
ca. 5 Liter
ca. 4 Liter

Bei max. Belastung

 
Untrainierte
Ausdauersportler
Herzfrequenz
180
180
Schlagvolumen
110 ml
220 ml
HMV
ca. 20 Liter
ca. 40 Liter

Die langfristige Anpassung des Herzens beim Ausdauertraining nennt man Sportherz. Das Sportherz ist somit eine leistungsfähige, trainingsbedingte Anpassung und keineswegs ein durch Sport geschädigtes Organ (wie immer noch gelegentlich fälschlicherweise behauptet wird!).
Ein primär gesundes Herz kann durch Training alleine nicht geschädigt werden! Wichtig ist das Einhalten der Grundsätze des Trainings (Grundlagentraining).
Ein systematisch auftrainiertes HKS ist voll an die gesteigerte Leistungsfähigkeit angepasst. Nach Beendigung der aktiven Sportlerlaufbahn muss auch systematisch abtrainiert werden. Bei abruptem Aufhören der Trainingsbelastung reagiert das HKS zusammen mit anderen unspezifischen Symptomen (Herzjagen, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Gewichtszunahme und allgemeines Unwohlsein).


Veränderung ausdauerleistungsbestimmender Herzparamter durch Ausdauertraining

 
Untrainierte
Trainierter
Herzgewicht
250 - 300 g
350 - 500 g
Herzvolumen
600 - 800 ml
11 - 12 ml pro
kg Körpergewicht
900 - 1300 ml
14 - 17 ml pro
kg Körpergewicht
Hf in Ruhe
70/min
40/min
Schlagvolumen in Ruhe
60 - 70 ml
105 ml
Herzminutenvolumen in Ruhe
4200 - 4900 ml ca. 4 - 5 l
4200 ml
ca. 4 l
Hf bei Höchstbelastung
Steigerung bis zum 3-fachen
200/min
Steigerung bis zum 5-fachen
220/min
Schlagvolumen bei Höchstbelastung
Erhöhung auf das Doppelte
ca. 120 - 140 ml
Erhöhung auf das Doppelte
ca. 200 ml
Herzminutenvolumen bei Höchstbelastung
24000 ml
ca. 20 - 25 l/min
40000 ml
ca. 40 l/min


Die Blutgefäße


Anatomie der Blutgefäße

Die Blutgefäße sind die Transportwege des Herz-Kreislaufsystemes. Man unterscheidet zwei verschiedene Kreisläufe. Der funktionelle Gesamtkreislauf besteht aus dem Körper- und Lungenkreislauf die in Serie geschaltet sind.

1.) Der Körperkreislauf

Der große Kreislauf ist der eigentliche Versorgungskreislauf des Körpers. Durch ihn gelangen der Sauerstoff und die Nährstoffe über das Blut zu den einzelnen Zellen des Körpers.
Der Körperkreislauf beginnt bei der linken Kammer und endet im rechten Vorhof-. Die großen Gefäße, die vom Herzen weggehen, nennt man Schlagadern (=Arterien). Sie leiten das sauerstoffreiche und kohlendioxidarme Blut vom Herzen zu den Zellen. Die Schlagadern teilen sich immer wieder in kleinere Gefäße auf, bis sie groß an der Zahl und mikroskopisch klein sind und jede einzelne Zelle des Körpers versorgen. Die kleinsten Gefäße nennt man Haargefäße (=Kapillaren).
Zwischen den Haargefäßen und den Zellen findet der Stoffaustausch (Sauerstoff, Kohlendioxid, Nährstoffe, Schlackenstoffe, Wasser, usw.) statt.

Von den Haargefäßen fließt das sauerstoffarme und kohlendioxidreiche Blut über kleinste Venen bis zu den Hauptvenen. Die Venen entsprechen in der Größe ungefähr den Arterien und verlaufen gemeinsam mit ihnen durch den Körper. Das Blut fließt in den Venen, konträr zu den Arterien, zum Herzen zurück.

Die Hauptvenen münden in eine obere und untere Hohlvene. Die Hohlvenen entsprechen in ihrer Größe der Hauptschlagader und münden direkt in den rechten Vorhof. Damit ist der Körperkreislauf geschlossen.

2.) Der Lungenkreislauf

Der kleinere Kreislauf ist für den Gasaustausch der Äußeren Atmung verantwortlich. Der Lungenkreislauf beginnt bei der rechten Kammer und endet im linken Vorhof.

Die Lungenarterien beginnen an der rechten Kammer und ziehen direkt in die Lunge, wo sie sich nach kurzem Verlauf aufzweigen. Die Arterien des Lungenkreislaufes leiten das sauerstoffarme und kohlendioxidreiche Blut vom Herzen weg zu den Lungenbläschen. Die Lungenbläschen (=Alveolen) sind von einem dichten Gefäßnetz (=Lungenhaargefäße) überzogen.
Die Lungenvenen führen das sauerstoffreiche und kohlendioxidarme Blut nach dem Gasaustausch von den Lungenbläschen zum linken Vorhof zurück.

Nach der Füllung der linken Kammer aus dem linken Vorhof beginnt der Körperkreislauf. Das Blut wird von der linken Kammer wieder in den Körper gepumpt. Der funktionelle Gesammkreislauf ist nun geschlossen.

ACHTUNG: Die Lungenarterien enthalten sauerstoffarmes, die Lungenvenen sauerstoffreiches Blut!

3.) Die Schlagadern

Die Hauptschlagader (=Aorta) kommt aus der linken Herzkammer und liegt im Brust- und Bauchraum.

Von der Hauptschlagader im Brustraum gehen zwei Halsschlagadern (versorgen Kopf und Gehirn) und je eine Armschlagader für den rechten und linken Arm ab. Kleinere Gefäße der Brustschlagader versorgen die Organe des Bauchraumes.

Von der Hauptschlagader des Bauchraumes zweigen sich zwei Beckenschlagadern für das rechte und linke Bein ab. Kleinere Gefäße der Bauchschlagader versorgen, so wie im Brustraum, die Organe des Bauchraumes.


Physiologie der Blutgefäße

Im Niederdrucksystem (=venöser Teil des Körperkreislaufes und ganzer Lungenkreislauf) befinden sich 75% des gesamten Blutvolumens. Dies hat große Bedeutung bei der Blutvolumenregulation.
In die Gefäßwände sind Muskelzellen eingelagert. Durch Kontraktion bzw. Entspannung dieser Muskeln verändert sich der Querschnitt. Durch diese Querschnittsänderung können die Arterien die Blutzufuhr für ihr Versorgungsgebiet drosseln bzw. steigern (=Umverteilung des Blutvolumens).
Die Schlagadern liegen an manchen Körperstellen so oberflächlich, dass man hier den Puls (= Muskelpumpen der Arterien zur Unterstützung der Herzarbeit) tasten kann. Für das praktische Pulsmessen im Training verwendet man die Pulstaststellen an der Halsschlagader und der Handschlagader.

Kurzfristige Anpassung der Gefäße an den erhöhten Blutbedarf

Der Mechanismus der Blutumverteilung ist ein kurzfristiger Anpassungsmechanismus der Gefäße. Die Blutzufuhr zum beanspruchten Organsystem wird bei Bedarf gesteigert, gleichzeitig bei den anderen Organsystemen aber gedrosselt.
Der Anteil am gesamten HMV in Ruhe für die Durchblutung der Muskulatur beträgt ungefähr 20% (20% von 5 l/min = 1 l/min). Bei maximaler Belastung können 90% des gesamten HMV max. (90% von 20l = 18 l/min) in die Muskulatur umgeleitet werden. (= 18fache Steigerung).

Diese Mehrdurchblutung in einem Organ geht zu Lasten der andern Organsysteme (z.B.: der Verdauungsorgane). Umgekehrt ist die verminderte Leistungsfähigkeit nach einer reichhaltigen Nahrungsaufnahme durch Umleitung des Blutes zu den Verdauungsorganen bedingt.

Dieser Anpassungsmechanismus ist notwendig, da das Blutvolumen begrenzt ist und daher das Blut an die Stelle des höchsten Bedarfes gelenkt werden muss.

Langfristige Anpassung der Gefäße an erhöhten Blutbedarf

Die Gefäße bilden als langfristigen Anpassungsmechanismus neue Haargefäße aus, die eine bessere Blutversorgung und damit bessere Sauerstoffversorgung in den trainierten Organen bewirken (z.B.: Muskulatur wird besser durchblutet).

Durch die Zunahme des Gesamtgefäßquerschnittes nimmt der Widerstand im großen Kreislauf ab.

Das Blut

1.) Anatomie des Blutes

Das Blut ist das Transportmittel, das in den Gefäßen fließt. Es besteht aus der Blutflüssigkeit und den im Blut schwimmenden Blutzellen. Blutzellen (=Blutkörperchen) machen ungefähr 40% des Blutvolumens aus. Die gesamte Blutmenge beträgt 1/13 des Körpergewichtes (fünf bis sechs Liter Blut).
Es gibt rote und weiße Blutkörperchen und Blutplättchen (Thrombozyten). Die roten Blutkörperchen (Erythozyten ca.
5 000 000/mm3) überwiegen stark die weißen (Leukozyten ca. 5.000/mm3). Auf 1.000 rote kommt somit 1 weißes Blutkörperchen.

2.) Physiologie des Blutes

Das Blut erfüllt eine Reihe wichtiger Aufgaben:

1.) Gastransport

Sauerstoff und Kohlendioxid werden im Blut transportiert. Die roten Blutkörperchen spielen für den Sauerstofftransport im Blut eine zentrale Rolle.

2.) Stofftransport

Außer Sauerstoff und Kohlendioxid transportiert das Blut alle Stoffwechselprodukte (z.B.: Nährstoffe, Hormone, Vitamoine, Medikamente, Abbauprodukte usw.)

3.) Infektionsabwehr

Die weißen Blutkörperchen gehören zum Abwehrsystem des Körpers gegen Krankheitserreger.
Millionen von weißen Blutkörperchen, die sich im Abwehrkampf gegen einen Erreger an der Infektionsstelle angesammelt haben bilden den typischen, weißlich-gelben Eiter.
Das Blut transportiert auch die Abwehrzellen produzierenden Antikörper.

4.) Blutgerinnung

Bei Verletzungen schließen sich die eröffneten Gefäße selbständig durch die Blutgerinnung (Ausnahme große Gefäße). Dies ist die Voraussetzung für die Wundheilung und verhindert gleichzeitig ein Ausbluten des Körpers.
Die Blutgerinnung wird von den Blutplättchen und von den in der Blutflüssigkeit gelösten Gerinnungsfaktoren gewährleistet.

5.) Pufferung

Die Pufferung ist die Konstanthaltung des Säuregrades im Körper. Da bei einer auch nur geringfügigen Änderung des Säuregrades im Blut die Zellen nicht mehr arbeiten können, müssen Säuren und Basen, die dem Körper zugeführt werden oder im Stoffwechsel entstehen, sofort ausgeglichen werden.
Bei einer körperlichen Belastung würde durch die anfallende Milchsäure ohne die Pufferung ein lebensbedrohender Zustand entstehen.

6.) Wärmeregulation

Die Konstanterhaltung der Körperwärme ist eine Voraussetzung für ein Funktionieren der Lebensfunktionen. Unabhängig von der Außentemperatur ist der Körper in einem sehr weiten Bereich in der Lage, seine Körpertemperatur konstant um die 37 Grad Celsius zu halten.
Zusammen mit den Gefäßen kann der Körper bei niedrigen Außentemperaturen den Wärmeverlust über das Blut durch Drosselung der Hautdurchblutung gering halten (kalte, blasse Haut bei Kälte). Die Körpertemperatur bleibt trotz niedriger Außentemperatur konstant bei 37 Grad Celsius.
Bei hohen Außentemperaturen wird eine Temperaturerhöhung im Körperinneren durch eine gute Hautdurchblutung und Wärmeabgabe über das Blut an die Umgebung verhindert (rote, warme haut bei Wärme). Die Verdunstungswärme, die beim Schwitzen abgegeben wird, ist ein wichtiger Kühlmechanismus für die Wärmeregulation.

7.) Wasserhaushalt

Der Körper besteht zu 60% aus Wasser. Das Blut versorgt die Zelle mit dem lebensnotwendigen Wasser. Der gesamte Kreislauf funktioniert nur bei einem bestimmten Mindestvolumen an Wasser. Die täglichen Wasserverluste müssen daher exakt ausgeglichen werden.
Ein zuviel an täglicher Wasserzufuhr wird über die Nieren ausgeschieden, ein zu wenig wird für den Körper gefährlich (3 Tage ohne Wasser sind lebensbedrohlich).
Bei hohen Außentemperaturen ist im Sport eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr deshalb besonders gefährlich, weil der Körper sehr schnell zuwenig Wasser zum Schwitzen hat. Die Wärmeregulation des Körpers bricht zusammen. Auch die Funktionen des Kreislaufes und der Nieren ist durch starken Wasserverlust gefährdet (=Hitzeschlag).

Kurzfristige Anpassung des Blutes

Die kurzfristige Anpassung des Blutes besteht in der Pufferkapazität des Blutes bei Belastung. Die anfallende Milchsäure bewirkt in einem sehr breiten Bereich keine wesentliche Änderung des Säuregrades des Blutes durch die vorhandene Pufferkapazität.
Die Blutfließeigenschaften (=Viskosität) verändert sich positiv bei Belastung.

Langfristige Anpassung des Blutes

Die Gesamtblutmenge nimmt ohne wesentliche Veränderung der Blutzusammensetzung zu (=Hyperphosie des Blutes). Dadurch nimmt als Folge auch die Sauerstofftransportkapazität des Blutes zu.

Literaturempfehlungen:

WEINEK J. - "Sportanatomie", Perimed Fachbuchsverlagsges., Erlangen
WEINEK J. - "Sportbiologie", Perimed Fachbuchsverlagsges., Erlangen
DELAVIER F. - "Muskel Guide", BLV Verlag
TITTEL K. - "Beschreibende und funktionelle Anatomie des Menschen", Urban u. Fischer Verlag